Auftaktveranstaltung zur Dorferneuerung

 

Suedpfalzkurier

Auftaktveranstaltung zur Dorfmoderation

Aktive Zukunftsgestaltung in Oberschlettenbach

Logo DorferneuerungVolle Tische bei der Dorfkonferenz in der Lindelbrunnhalle in Oberschlettenbach am Donnerstag. Bei der Auftaktveranstaltung zur Dorfmoderation nutzten rund 60 Bürger die Plattform für ihre Anliegen und als Chance zur aktiven Zukunftsgestaltung ihrer kleinen Gemeinde.
Mit einem kurzen Rückblick auf die Vorgeschichte des Drei-Säulen-Projekts (Dorfmoderation, Dorferneuerung, Private Maßnahmen) in modellhafter Kooperation mit Vorderweidenthal, hieß Ortsbürgermeister Walter Hunsicker die Bürger "vun hunne un drowwe" und aus Vorderweidenthal willkommen. Mit ihm in der Podiumsrunde: Moderator Martin Theodor vom Landauer Beratungszentrum Kobra, Bürgermeisterkollege und Dorfprojektpartner Artur Helfer aus Vorderweidenthal, Architekt und Dorfplaner Klaus Kyas sowie Jörg Dornick von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern.
Großer Ermunterung zu Kritik, Lob und neuen Ideen bedurften die engagierten Bürger nicht, sie legten zügig los mit ihren Anliegen. Mehrfach bemängelt wurden die Gebäude-Leerstände im Ort samt Wildbewuchs an unbebauten Plätzen. Allen ein Dorn im Auge ist die sogenannte "Brandruine" im Dorf, weiter sichtbarer Müll in manchen Höfen der Ortsmitte und an den Ortsrändern, zu wenig Blumenschmuck an Häusern und der Planzenüberwuchs an Straßen und Häusern. Auch der Dorfbrunnen stehe etwas karg herum und bedürfe eines attraktiveren Ambientes, hieß es. Weiter bemängelten die Bürger fehlende Ferienwohnungs- und Übernachtungsmöglichkeiten sowie fehlende Freizeitangebote für Jugendliche. Auch das Aussterben der Vereine bedauerten sie und dass es keinen Kummerkasten für Nachbarschaftshilfe gibt. Manchen missfiel der Geröll-Lärm am Steinbruch, vielen der ungenügende Straßenwinterdienst. Zweimal war Tempo-30-Zone durch den gesamten Ort gewünscht, mehrfach wurden die verengten Straßen durch zugeparkte Autos kritisiert und die öffentliche Verkehrsanbindung, besonders am Wochenende, als ungenügend empfunden. Auch Straßenschäden, schlechte Wegesubstanz, wie etwa die Bitumendecke im Adelstal, waren Thema sowie der zu nahe Baumbewuchs in diesem Tal, der zu durchforsten sei. Mehrfacher Wunsch war die Radwegeverlängerung nach Vorderweidenthal. Aber auch mit Lob für ihr Dorf sparten die Besucher nicht. Der größte Schatz sei die gute Wasserqualität und Naturvielfalt, die gute Luft und Ruhe, die schöne Lindenallee und die herrlichen Fachwerkhäuser. Es gebe eine hohe Künstlerdichte im Ort, eine hilfsbereite Nachbarschaft, zwei Kneipen (auch Erlebnisgastronomie), zwei Brunnen, zwei Wanderparkplätze, viele Burgen im Umkreis und einen Damen-Stammtisch sowie, immerhin, drei Vereine. Ein weiterer Vorzug sei die Nähe zum Elsass, hieß es übereinstimmend.
Der dritte Part der Dorfkonferenz war die Ideenfindung und konkrete Umsetzbarkeit, zunächst "ganz ohne Geldschere im Kopf", wie Theobald ermunterte. Der Moderator bündelte die zahlreichen, sich teils überschneidenden Vorschläge grob in folgende Überthemen: Ortsbildverbesserung, Tourismus (auch beide Orte betreffend), Verkehr (der nachrangig behandelt wird), Soziales und Kultur sowie der Kinder- und Jugendbereich (der einen extra Teil einnimmt). Die größte Zetteldichte an der Pinnwand hatte der Teil Ortsbild, gefolgt von Tourismus und Soziales/Kultur. Nach mehrfachem Bürgerwunsch soll aus dem Schandfleck Brandruine im Ort eine "Museumsscheune" mit Kulturangebot werden. Auch nach einem (eventuell dort integrierten) Backhäusel sehnen sich die Oberschlettenbacher. Weiter nach der Neugestaltung des Feuerwehrhauses und Umgestaltung der Lindelbrunnhalle samt Vorplatz und nach verstärkter Werbung für die 700-Jahr-Feier. Skulpturen, etwa an Radwegen und vor öffentlichen Gebäuden, sollen den Ort attraktiver machen, gewünscht ist ein Grillplatz, ein Waldlehrpfad sowie ein Baumwipfelpfad nach Vorderweidenthal. Auch dem Wasser solle mehr Bedeutung zukommen. Von einem Wasserlehrpfad mit Barfußpfad entlang des Bachs und einer Wassertretanlage war die Rede, wie von einem Paddelweiher neben der Lindenallee und einem Badeplatz mit Sprungturm. Weiter von einer Schwengelpumpe am Spielplatz, einem großen Mehrgenerationenspielplatz und Wasserinstallationen im Ort. Das Anlegen von Biotopen Richtung Rödelstein und am Steinbruch ist gewünscht, eine Besinnungshalle auf dem Friedhof sowie das Kennzeichnen und Freischneiden des Dorfrundwegs. Dorfgalerie, Bauernmarkt, Theatergruppe und mehr kulturelle Veranstaltungen stehen auf dem Plan der Bürger, Straßen- und Gartenmarktfeste, ein Boule- sowie Gymnastikclub und (Kürbiszucht)Wettbewerbe. Beifall bekam auch der Vorschlag nach einer eigenen Energieversorgung im Ort. Mitten in die Aufbruchstimmung verteilte der Moderator auch gleich Eintragslisten für die Arbeitsgruppen, die sich alle sechs Wochen treffen werden. Für die Moderationsphase sind rund eineinhalb Jahre angesetzt.

(Text hima)



(Artikel vom Südpfalzkurier Nr. 49/2009 vom 02.12.2009)

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