Der Heßlerberg

Oberschlettenbach, den 02. Sept. 2007

Wer hat früher auf dem Heßlerberg gelebt?

Vielmals bin ich auf verschiedenen Wegen über den Bergrücken des Heßlerberges gewandert, wie im Rennsteiglied so schön besungen: "Diesen Weg auf den Höh´n bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder". Und immer wieder ist mir an einer bestimmten Stelle eine sonderbare Geländeformation aufgefallen. Eine auffällige Ebene, übersäht mit Steinen.

Meine Frau habe ich oftmals darauf hingewiesen und sie hat mir beiläufig geantwortet, dass ich mich als Archäologe betätigen kann, wenn ich dereinst mal im Ruhestand bin. Die Zeit verging und die Steine blieben unberührt liegen bis zum Mittwoch, den 8. Aug. 2007. Das Wetter war durchwachsen, für Gartenarbeit zu nass und ich hatte Zeit. Beim Mittagsmahl habe ich mich entschieden, das Rätsel zu entschlüsseln.

Wie so oft bin ich wieder am Galgenfelsen vorbei durch die Klamm und den oberen Weg am Sandberg entlang zum Bergrücken hoch gewandert. Schon kurz vor der Höhe konnte ich rechts oberhalb des Weges durch die Kiefern hindurch die ebene Fläche erkennen. Nach wenigen Metern erschien ca. 30 Meter oberhalb des Weges deutlich und unübersehbar die mir so oft aufgefallene Ebene, übersäht mit Steinen verschiedener Größe.

Zwei deutlich zu erkennende Steinlinien von jeweils ca. 30 Meter Länge im 90 ° Winkel angelegt bestätigten mir meine Vermutung: Diese Steine sind nicht so hingefallen, sondern wurden eindeutig von Menschenhand bearbeitet und aufgeschichtet. Auch eine Vielzahl von Steinen mit einer Höhe von ca. 20 cm und einem rechten Winkel untermauerten meinen Verdacht.

Zuhause angekommen habe ich mir überlegt, wo ich mich mit meiner Vermutung hinwenden kann und wo ich Rat und Hilfe erwarten kann. Mir viel Herr Dr. Dittmar Wittenberg ein, von dem ich wusste, dass er unsere Gemarkung in allen Richtungen durchwandert hat und sich auch noch für die Vergangenheit interessiert.

Meine Frage, ob ihm an der besagten Stelle schon mal etwas aufgefallen sei, verneinte er und dann kam der entscheidende Hinweis: "Mir ist eine andere Stelle auf dem höchsten Punkt des Heßlerberges schon mehrmals aufgefallen und ich glaube, dort könnte etwas gewesen sein".

Bereits am nächsten Tag habe ich fernmündlich die Generaldirektion für Kulturelles Erbe in Speyer auf meine Vermutung hingewiesen.

Und wieder bin ich auf den Heßlerberg aufgestiegen und habe von der mir bereits bekannten Fundstelle ausgehend über den Bergrücken hinweg eine Vielzahl weiterer Hinweise auf eine durchgehende Mauer über eine Länge von ca. 400 Meter gefunden.

Nun habe ich mir das Plateau auf dem Gipfel des Heßlerberges, auf welches mich Herr Dr. Wittenberg hingewiesen hatte, näher betrachtet. Auch seine Vermutung hat sich für mich sofort bestätigt. Dieses Plateau, ca. 180 m lang und ca. 80 m breit hat nicht die Natur, sondern Menschenhand, geschaffen. Ringsum gesäumt von vielen kleinen Felsen und dazwischen, sowie darauf, immer wieder Steinreihen mit meines Erachtens von Menschhand bearbeiteten Steinen und Quadern.

Seit ich mir diese, mir seit Jahren bekannte Ebene näher betrachtet habe, hat es mich umso mehr gepackt und die Fragen, was war zu früheren Zeiten auf dem Heßlerberg, wann wurden dort die gefundenen Steine aufgeschichtet, von wem und wie lange war diese vermutete Siedlung bewohnt? Fragen über Fragen, die mich seitdem immer wieder beschäftigen, führten mich in den letzten Tagen immer wieder zur besagten Fundstelle hin.

Meine Vermutung wird bei jeder Exkursion aufs neue bestätigt und immer wieder finde ich neue Hinweise auf menschliche Siedlungsreste. Diese habe ich mittlerweile auf einer Gesamtlänge von ca. 1600 m über den gesamten Bergrücken bis hin zum Weg vom Bärenbrunnerhof nach Schwanheim vorgefunden, mal deutlicher, mal weniger deutlich.

Nun bleibt zu hoffen, dass diese Zeugen der Vergangenheit auch das Interesse der Archäologen und Experten wecken und dass eines Tages das Rätsel der gleichförmigen Steine und der rätselhaften Steinreihen gelüftet wird.

Walter Hunsicker


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